In dieser Definition ist nichts von "Rechnen" zu lesen, vielmehr wird die Mathematik als eine Wissenschaft von den formalen Systemen bezeichnet, eine für Außenstehende ziemlich befremdliche Anschauung, die so rein gar nichts mit dem in der Schule erworbenen Wissen über Mathematik zu tun hat und abseits der täglichen Anschaulichkeit liegt. Es ist einge ganze Reihe von Definitionen der Mathematik, doch diese hat mir am besten eingeleuchtet. Diese zeigt deutlich, dass die Mathematik eine Geisteswissenschaft ist, keinesfalls zu den Naturwissenschaften zählt, obwohl sie oft in den Universitäten in die naturwissenschaftliche Fakultät platziert wird. Richtig wäre es, sie in der Philosophischen Fakultät anzusiedeln, was bei manchen Studenten dieser Fakultät vielleicht zu einem leichten Grausen führen könnte, doch hat die Mathematik etwas mit einem Erkenntnisprozess zu tun, der nicht auf empirisch überprüfbaren Experimenten beruht, sondern sie geht von bestimmten Axiomen aus und baut darauf ein imposantes System von Theoremen auf, die man gut für den Alltag und die Wissenschaften gebrauchen kann.
Das ist das Interessante an der Mathematik, dass man mit ihr Phänomene der erkennbaren Welt in bestimmte Relationen setzen und quantifizieren kann, so dass aus bekannten Tatsachen auf andere, unbekannte Tatsachen geschlossen werden kann. Aus einem bekannten kleinen Universum kann man auf die Struktur eines anderen Universums schließen, sofern man die dazu notwendigen Regeln korrekt anwendet.
Ein simples Beispiel dazu. Wenn ich einkaufen gehe, muss ich im Voraus abschätzen, ob ich genügend Geld für meine Einkäufe habe. Ich schaue in mein Portmonee und kann aus der Menge des vorhandenen Geldes auf die meine meiner Einkaufswünsche schließen. Dazu muss ich die Summe des Gelds errechnen und mit der Summe der Warenpreise vergleichen, also eine Relation zwischen den beiden Summen setzen, mit anderen Worten, ich habe mich wie ein Mathematiker verhalten und systemimmante Regeln beachtet.
Jetzt stelle ich eine nette, spaßige Definition der "Mackematick" vor:
„Die Mackematick ist die Kunst, mit Zahlen und Formeln die Schulkinder zu verwirren.
Wer diese Kunst auf die Spitze treibt, wird ein Stein [1] und verwirrt damit auch noch hundert Jahre nach seinem Tod sogar Erwachsene durch eine Relativitätstheorie.
Solange man noch Eins und Eins zusammenzählen kann, ist noch keine Mackematick nötig. Aber sobald die Zwei ins Spiel kommt, wird's bösartig: Dann braucht man nämlich eine Theorie, woher diese Zahl kommt und was aus ihr wird (siehe auch Zahlentheorie). Darüber kommt man so ins Grübeln, dass man zu keinen sinnvollen Tätigkeiten mehr brauchbar ist. Der Mediziner spricht dabei von einer Macke. Die Mackematick ist nicht heilbar und hat eine Temperatur von 1 Grad." (Stupipedia, 2008, Mackematick)
Nun sind wir also aufgeklärt über die "Macke" und den "Tick" :-)Die obige Definition demonstriert die allgemein falsch verstandene Ansicht über die Mathematik als reine Arithmetik und eine Methode bestimmte Formeln auszurechnen. Dieses Denken ist das Ergebnis einer veralteten Mathematik-Didaktik. Würde man sie ändern wollen, wäre eine allgemeine Abwehrfront seitens der Eltern zu erwarten, an die sich dann die meisten Politiker anhängen würden, um damit Stimmen für sich zu sammeln. Nicht die Pädagogen sind schlecht ausgebildet, die Mathematik so darzustellen, was sie eigentlich ist, sondern die Lerntradition der Eltern hemmt eine Umstellung des Mathematik-Unterrichts und die Propagierung eines neuen Zugangs zu dieser schönen Geisteswissenschaft.
Erst an den Universitäten wird die Mathematik so gelehrt, wie es ihrem Anspruch entspricht und so dargestellt, was sie von ihrem Wesen her eigentlich ist.
„Um Mathematik zu studieren, braucht man kein Rechenkünstler oder Computer-Ass zu sein. Studierende der Mathematik sollten aber zu Beginn des Studiums den Spaß und das Interesse an der Mathematik und die Fähigkeit zum abstrakten Denken mitbringen.
Es ist dabei lediglich eine gewisse spezifische Begabung nötig, die allerdings mit der Fähigkeit gepaart sein sollte, ausdauernd und konzentriert arbeiten zu können.
Auch ein gutes geometrisches Vorstellungsvermögen ist sicherlich von Nutzen.
Im Verlauf des Studiums wird ein zunehmendes Maß an Abstraktion erlangt. Zum Ende des Studiums sollten Studierende in der Lage sein, Probleme zu erkennen, zu analysieren, in klarer und übersichtlicher Form niederzuschreiben und darüber mit anderen zu kommunizieren.“ (Heidelberg, 2008)
Die Mathematik wurde von den alten Römern in der Weise behandelt, wie es von einer breiten Bevölkerungsmehrheit heute auch geteilt wird, nämlich als eine praktische Zahlenrechenmethode. Deshalb haben die Römer keinen Beitrag zum Fortschritt der mathematischen Erkenntnis geleistet.
„Im Jahre 44 v. Chr. beklagte sich Marcus Tullius Cicero in seinen Tuskulanischen Gesprächen über den Verfall der Kultur zu seiner Zeit. Er verweist auf die Griechen insbesondere auf deren Verhältnis zur Mathematik:
'Höchster Wertschätzung erfreute sich bei ihnen auch die Geometrie, und deshalb war niemand angesehener als die Mathematiker; wir aber haben den Geltungsbereich dieser Wissenschaft auf den Nutzen beschränkt, den sie uns beim Messen und Rechnen bringt.' " (Werner, 2007)
Sich mit der höheren Mathematik zu beschäftigen, und sei es auf einem kleinen Gebiet, ist die Beschäftigung mit einer hervorragenden Quelle der Erkenntnis von Strukturen. Wer mathematisch denkt, wird differenzierte Fragen stellen und sich nicht mit simplen Antworten begnügen und er wird nachhaken, was wäre, wenn dies und jenes nicht definiert ist. Er würde bei Streitfragen nach den Definitionen der verwendeten Begriffe fragen und nicht auf dumme Propaganda reinfallen, die auf schön klingende Parolen mit mehr oder weniger konkretem Inhalt, ggf. mit menschenverachtenden Aussagen hören.
Sich nur auf das Praktische und Funktionale zu beschränken, macht noch keine Kultur aus. Ich wünschte mir eine Breitenwirkung der strukurellen mathematischen Erkenntnisse, besonders beim Begriff der Unendlichkeit und den Grenzwerten und den Theorien, die damit zu tun haben.
Literatur
Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG. 2007. Meyers Lexikon online. Kategorien: Mathematik/Mathematische Grundlagen. [Online] 2007. [Zitat vom: 10. 07. 2008.]http://lexikon.meyers.de/meyers/Mathematik
-
Heidelberg, Universität. 2008. Anforderungen. Mathematik und Mathematik mit Ausrichtung wissenschaftliches Rechnen. [Online] 10. 07. 2008. [Zitat vom: 19. 07. 2008.] http://www.uni-heidelberg.de/studium/interesse/faecher/mathe.html
-
Stupipedia. 2008. Die Enzyklopädie ohne Sinn - Mathematik. [Online] 2008. [Zitat vom: 10. 07. 2008.] Wissen Sie Bescheid? Nein? Wir auch nicht!. http://www.stupidedia.org/stupi/Mackematick
-
Werner, Bodo. 2007. Universität Hamburg - Warum Mathematik studieren? [Online] 17. 05. 2007. [Zitat vom: 10. 07. 2008.] http://www.math.uni-hamburg.de/teaching/curricula/warumstudium.html
Anmerkungen
[1] auch Einstein geschrieben

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen